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Kann eine einzige Preisstrategie wirklich für ein ganzes Netz funktionieren?

Ein Ladepunktbetreiber setzt netzweit einen Abendrabatt von 10 Prozent auf 800 Stationen an, um nach dem Feierabendverkehr, wenn die Auslastung zurückgeht, zusätzliche Nachfrage zu gewinnen.

Doch 40 dieser Stationen sind an den meisten Abenden ohnehin gut ausgelastet. Dort ist der Rabatt gar nicht nötig, er verschenkt lediglich Marge auf Ladevorgänge, die auch ohne Rabatt stattgefunden hätten.

An kaum genutzten Stationen wiederum ist ein Rabatt von 10 Prozent zu gering, um die Nachfrage spürbar zu steigern und die Auslastung tatsächlich zu verbessern.

Bei Aufschlägen zeigt sich das gleiche Problem umgekehrt: An stark ausgelasteten Stationen sind höhere Preise sinnvoll, an ruhigen Standorten drängt derselbe Aufschlag mögliche Ladevorgänge einfach zu anderen Stationen ab.

Eine Regel, zwei unterschiedliche Ergebnisse, beide unerwünscht. Das ist die Folge einer netzweit einheitlichen Preisstrategie.

Warum das passiert

Jeder Betreiber weiß, dass die Nachfrage von Station zu Station unterschiedlich ist. Ein Pendlerknotenpunkt verhält sich anders als ein ländlicher Ladepunkt, ein Standort an der Autobahn anders als ein Ladepunkt an einem Zielort.

Diese Unterschiede an jeder einzelnen Station konsequent in der Preisgestaltung zu berücksichtigen, ist die eigentliche Herausforderung.

Die meisten Betreiber arbeiten bereits mit:

  • Tag- und Nachttarifen
  • Wochentags- und Wochenendtarifen

Doch eine feinere Abstufung ist kaum möglich, und genau darin liegt das Problem. Sobald dieselbe Preisstrategie überall angewendet wird, sind manche Stationen unvermeidlich zu teuer oder zu günstig für ihre tatsächliche Auslastung.

Was es eigentlich braucht, ist eine Strategie, die jede Station anhand ihrer eigenen Leistung bepreist. Doch die Nachfrage an jeder einzelnen Station im Netz, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, vorherzusagen, ist ohne Automatisierung eine enorme Aufgabe.

Selbst ein kleines Netz benötigt jemanden, der jede Station im Blick hat und die Preise Tag für Tag anpasst. Bei Hunderten oder Tausenden von Stationen kann kein Preisteam mehr mit diesem Tempo Schritt halten.

Deshalb wird die Preisgestaltung am Ende auf einer viel breiteren Ebene angewendet, denn eine individuelle Anpassung für jede Station ist in der Praxis schlicht nicht umsetzbar.

Was das für dein Netz bedeutet

Die Folge ist absehbar, unabhängig davon, welche Form der netzweiten Preisgestaltung gerade läuft:

  • Ein einheitlicher Festpreis lässt an den stärksten Stationen Umsatz liegen und ist an den ruhigsten Stationen nicht wettbewerbsfähig
  • Netzweite Rabatte bedeuten, dass stark ausgelastete Stationen Ermäßigungen erhalten, die sie nie gebraucht haben
  • Netzweite Aufschläge machen ruhige Stationen noch unattraktiver

Wie auch immer die netzweite Preisgestaltung angewendet wird, ein Teil des Netzes wird durch eine Strategie benachteiligt, die nicht auf seine tatsächliche Nachfrage abgestimmt ist.

Was als Nächstes kommt

Das Problem liegt nicht darin, die richtige Preisstrategie zu wählen, sondern darin, zu erwarten, dass sie für jede einzelne Station passt.

Preisansätze müssen heute breit genug angelegt sein, um manuell steuerbar zu bleiben. Das ist der Grund, warum viele Betreiber auf grobe Preisregeln zurückgreifen müssen.

In den nächsten Cariqa Insights schauen wir uns an, was sich ändert, wenn diese Einschränkung wegfällt.