August 27, 2026
Wie Preise auf Ladepunktebene das Verhalten von Fahrenden verändern
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Im letzten Beitrag ging es um das Problem netzwerkweiter Preise.
Ein einheitlicher Rabatt, Aufschlag oder Pauschalpreis kann nicht für jeden Ladepunkt eines Netzwerks der richtige sein. Die Schwierigkeit lag bisher darin, diese Unterschiede konsequent zu berücksichtigen. Die Nachfrage für jeden Ladepunkt zu jeder Stunde vorherzusagen, kann kein Preisteam von Hand leisten. Deshalb werden Preise stattdessen auf Netzwerkebene festgelegt.
Was ändert sich also, wenn diese manuelle Einschränkung wegfällt?
Preise können sich dann an der prognostizierten Nachfrage einzelner Ladepunkte orientieren, statt einer pauschalen Regel auf Basis des Netzwerkdurchschnitts zu folgen. Genau das ermöglicht Smart Pricing.
Der Preis kann auf jeden einzelnen Ladepunkt reagieren
Smart Pricing prognostiziert die erwartete Nachfrage auf Ladepunktebene und wendet automatisch den passenden Tarif an. Dafür zieht es 20 betriebliche Variablen heran, darunter historische Auslastungsdaten, und ordnet jeden Ladepunkt einer von fünf erwarteten Auslastungsstufen zu:
- Ungenutzt
- Geringe Auslastung
- Normale Auslastung
- Anhaltende Auslastung
- Überlastet
Der CPO legt für jede Stufe eine Preisstrategie fest, zum Beispiel 30 % Rabatt für ungenutzte Ladepunkte und 25 % Aufschlag für überlastete. Anschließend wendet Smart Pricing auf Basis des individuellen Standortprofils automatisch den richtigen Tarif auf jeden Ladepunkt an, rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche.
Weil der Aufwand für ständige Tarifänderungen entfällt, wird der Preis von einer pauschalen, netzwerkweiten Einstellung zu einem präzisen Instrument, das die Nachfrage kontinuierlich steuert.
Der Preis ist der wirksamste Hebel für CPOs
Der Preis kann die grundlegenden Gegebenheiten eines Standorts nicht ändern. Die Standortwahl ist jedoch bereits getroffen, die Infrastruktur steht. Ab diesem Punkt bleiben CPOs nur wenige skalierbare Möglichkeiten, die Entscheidung von Fahrenden zu beeinflussen.
Der Preis ist, wie sich immer wieder zeigt, eine davon.
Octopus Electroverse (Großbritannien) stellte fest:
- Eine Preissenkung um 15 % steigerte die Ladeaktivität um 30 %.
- Eine Senkung um 40 % steigerte sie um 117 %.
- Preissignale erzeugen in Zeiten hoher Erzeugung aus erneuerbaren Energien zusätzliche Nachfrage an rabattierten Ladepunkten, statt Nachfrage von anderen verfügbaren Ladepunkten abzuziehen.
Studie von USCALE (Deutschland):
- Über 80 % der befragten E-Autofahrenden haben regelmäßig oder gelegentlich einen Wechsel ihres Ladeanbieters in Betracht gezogen.
- 40 % nannten Preiserhöhungen als Auslöser dafür.
Gezielt eingesetzt, kann der Preis einen wenig genutzten Ladepunkt wettbewerbsfähiger machen, Fahrende gewinnen, die sich sonst für einen anderen Standort entscheiden würden, und zeigen, ob sich zusätzliche Nachfrage erschließen lässt. So erhält ein bestehender Standort seine beste wirtschaftliche Chance, ohne dass in den Standort selbst investiert werden muss.
Und wenn ein Standort trotzdem nicht reagiert, ist auch das eine wertvolle Erkenntnis. Smart Pricing verbessert nicht nur die Leistung, sondern zeigt Betreiber*innen auch, wo der Preis die Nachfrage beeinflussen kann und wo grundlegendere Entscheidungen nötig sind.
Wie TEAG Mobil Smart Pricing in der Praxis einsetzt
TEAG Mobil wollte das Laden in nachfrageschwächeren Zeiten fördern und die eigene Ladeinfrastruktur besser auslasten. Dafür setzte das Unternehmen auf Smart Pricing.
Auf Basis der festgelegten Strategie ordnete Smart Pricing jeden Ladepunkt nach der prognostizierten Nachfrage ein und wendete den passenden Tarif automatisch an.
Erste Ergebnisse zeigten einen deutlichen Anstieg
Um die unmittelbare Wirkung zu bewerten, haben wir die 14 Tage vor und nach dem Start von Smart Pricing verglichen (14.–27.05.2026 vs. 28.05.–10.06.2026).
Die Ergebnisse waren eindeutig:
- 4,3-fache Steigerung der Ladevorgänge
- 4,3-fache Steigerung der abgegebenen Energie
- 3,5-fache Steigerung des Ladeumsatzes
Die Wirkung hielt an, und die Nachfrage verteilte sich über den Tag
Der Effekt reichte über die erste Phase nach dem Start hinaus.
Vergleich der zwei Monate vor und nach dem Start (28.03.–27.05.2026 vs. 28.05.–27.07.2026):
- 7,0-fache Steigerung der Ladevorgänge
- 6,7-fache Steigerung der abgegebenen Energie
- 5,5-fache Steigerung des Ladeumsatzes
Die Nachfrage verteilte sich gleichmäßiger
Verändert hat sich nicht nur das gesamte Ladevolumen, sondern auch der Zeitpunkt, zu dem Fahrende laden. Vor Smart Pricing konzentrierte sich das Laden bei TEAG Mobil vor allem auf 17 Uhr, zur Zeit des abendlichen Berufsverkehrs. Rund jeder sechste Ladevorgang fand in dieser einen Stunde statt.
Mit Smart Pricing hat sich das Bild deutlich verändert.
17 Uhr ist weiterhin die stärkste Stunde bei TEAG Mobil, macht aber nur noch rund 10 % der Ladevorgänge aus, statt zuvor 16 %. Damit hat sich grundlegend verändert, wann das Netzwerk von TEAG Mobil genutzt wird: Statt einer Spitze um 17 Uhr prägt nun eine gleichmäßige Nachfrage fast den ganzen Tag.
Ein gleichmäßiger genutztes Netzwerk ist wertvoller
Da Netzkapazitäten knapper werden, zahlen Betreiber*innen in Deutschland zunehmend leistungsabhängige Netzentgelte, die sich nach der Spitzenlast richten. Wenn sich das Laden von einer konzentrierten Abendspitze auf den ganzen Tag verteilt, kann Smart Pricing helfen, diese Spitzenlast zu senken, ganz ohne zusätzliche Hardware.
Fällt die manuelle Einschränkung weg, können CPOs über pauschale, netzwerkweite Preisregeln hinausgehen und den Preis automatisch nutzen, um zu beeinflussen, welcher Ladepunkt genutzt wird und wann.
So erhalten CPOs eine praktikable Möglichkeit, die Leistung ihrer bestehenden Standorte zu verbessern und gleichzeitig belastbarere Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wo der Preis etwas bewirken kann. Darin liegt der Wert der Automatisierung auf Ladepunktebene: nicht im Versprechen, dass sich jeder Standort mit einem anderen Tarif retten lässt, sondern in einem systematischeren Weg, zu testen, wo der Preis die Nachfrage beeinflussen kann und wo grundlegendere Entscheidungen nötig sind.
*Die Vergleiche für TEAG Mobil beziehen sich auf dasselbe Netzwerk von TEAG Mobil vor und nach der Einführung von Smart Pricing. Abgesehen von der Einführung von Smart Pricing gab es in den Vergleichszeiträumen keine wesentlichen Änderungen an der Netzwerkgröße oder den Marketingaktivitäten. Saisonale Effekte lassen sich nicht vollständig ausschließen. Zudem umfassen die genannten Zahlen Ladevorgänge, abgegebene Energie und Ladeumsatz, die über Cariqas Netzwerk aus Nachfragepartnern und die Cariqa App erzielt wurden, nicht die gesamte Geschäftsentwicklung von TEAG Mobil.