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Warum Embedded Charging im aktuellen Modell zum Markenrisiko werden kann

Wenn Laden Teil deines Produkts wird, wird es auch Teil deiner Marke. Viele Plattformen unterschätzen, was das bedeutet.

Für die meisten Plattformen im Bereich Elektromobilität ist Embedded Charging zunächst ein klarer Produktgewinn.

Fahrende öffnen die App, finden einen Ladepunkt, starten eine Session und bezahlen, ohne die Oberfläche verlassen zu müssen. Der nächste logische Schritt für ein vollständiges Nutzererlebnis.

Doch sobald Laden innerhalb eines Produkts stattfindet, übernimmt die Plattform auch die emotionale Wirkung dieser Erfahrung: den Preis, mögliche Reibungspunkte und Momente der Frustration.

Genau deshalb kann Embedded Charging in seiner heutigen Form unbemerkt zu einem Markenrisiko werden.

Das kommerzielle Problem wird zum Markenproblem

In einem früheren Cariqa Insights Beitrag haben wir gezeigt, dass Embedded Charging heute meist über mehrere Zwischenhändler läuft:

  • Preise für Fahrende werden durch Zwischenhändler erhöht
  • Plattformen zahlen Gebühren pro Nutzer*in oder pro Transaktion
  • Plattformen haben kaum kommerzielle Kontrolle und können Preise nicht direkt mit CPOs verhandeln

Auf dem Papier sind das wirtschaftliche Kompromisse. In der Praxis prägen sie jedoch das Nutzererlebnis: den Preis, die Verlässlichkeit des Angebots und das Vertrauen der Fahrenden.

So beginnt das zugrunde liegende Geschäftsmodell von Embedded Charging, die Wahrnehmung der Marke darüber zu beeinflussen.

Fahrende sehen nicht „eine Ladefunktion“, sondern dein Produkt

Wenn du eine Navigationsplattform, Fahrzeugoberfläche oder Flottenlösung betreibst, hast du wahrscheinlich über Jahre Vertrauen aufgebaut: durch zuverlässige Routenführung, Stabilität, Kostenkontrolle oder Support.

Dann kommt Laden als zusätzliche Funktion hinzu, um das Erlebnis zu vervollständigen.

Für Fahrende fühlt es sich jedoch nicht wie eine Funktion an, sondern wie ein Teil des Produkts selbst.

Jeder Ladevorgang innerhalb deiner Oberfläche wird automatisch mit deiner Marke verbunden:

  • Der Preis, den Fahrende bezahlt haben
  • Ob dieser Preis nachvollziehbar wirkte
  • Ob die Session direkt funktioniert hat
  • Ob der Support geholfen hat, wenn etwas nicht funktioniert hat

Wenn eine Session scheitert oder die Preise zu hoch wirken, wird das nicht dem Zwischenhändler oder dem CPO zugeschrieben. Es wird der Marke zugeschrieben, die Fahrende sehen.

Hier lohnt sich ein Blick auf die Charging Services Study 2024 von USCALE.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 2.688 deutschen Fahrer*innen von Elektrofahrzeugen und zeigt: Viele Fahrzeughersteller bieten eigene Ladedienste an, verlieren jedoch sowohl bei aktiver Nutzung als auch bei der bevorzugten Nutzung deutlich an Bedeutung. Tesla, mit eigenem Ladenetzwerk, bildet die Ausnahme.

Das zeigt etwas Entscheidendes: Markenstärke allein gleicht schlechte Preisstrukturen beim Laden nicht aus. Wiederholte Zweifel an Preisen und unzuverlässige Erfahrungen untergraben langfristig Vertrauen und zeigen sich in sinkender Präferenz und schwächerer Bindung.

Laden beeinflusst das Vertrauen in dein gesamtes Produkt

Ein Produkt mit unfairen Ladepreisen wirkt nicht wie ein Produkt mit einer schwachen Funktion. Es wirkt wie ein Produkt, dem man insgesamt nicht vollständig vertrauen kann.

Diese Wahrnehmung überträgt sich oft auf die gesamte Marke:

  • Fahrende hinterfragen Preise an anderer Stelle im Produkt stärker
  • Informationen in der App werden mit externen Quellen verglichen
  • Empfehlungen innerhalb des Produkts wirken weniger glaubwürdig
  • Andere Fahrende werden vor möglichen Problemen gewarnt

Deshalb ist Embedded Charging weit mehr als eine zusätzliche Oberfläche innerhalb des Produkts. Es wird zu einer Vertrauensfläche, an der Preisgestaltung, Zuverlässigkeit und Markenwahrnehmung zusammenkommen.

Vertrauen entsteht über Jahre. Wiederholte Zweifel an Preisen können dieses Vertrauen jedoch nachhaltig beschädigen.

Warum sich dieses Problem in Daten oft schwer erkennen lässt

Das Risiko wird häufig unterschätzt, weil es selten klare Signale erzeugt.

Wenn Fahrende das Vertrauen in ein Produkt verlieren, geben sie meist kein direktes Feedback. Sie entfernen sich einfach schrittweise vom Produkt.

Das zeigt sich typischerweise durch:

  • Weniger wiederkehrende Nutzung der Ladefunktion
  • Häufigeres Vergleichen von Preisen in anderen Apps
  • Geringere Nutzung der Plattform für Reiseplanung
  • Höhere Abwanderung, die anderen Ursachen zugeschrieben wird

Zusammengenommen zeigen diese Signale vor allem eines: Fahrende nutzen den Dienst vielleicht noch, bevorzugen ihn aber nicht mehr.

Die Studie von USCALE macht deutlich, warum dieser Unterschied entscheidend ist.

Dort werden Ladedienste sowohl als Umsatzquelle als auch als „wichtiges Instrument zur Kundenbindung“ beschrieben. Gleichzeitig wird betont, dass der Erfolg davon abhängt, dass Fahrende die Dienste „aktiv und vor allem bevorzugt nutzen“.

Das bedeutet: Ein Ladedienst kann technisch integriert sein und trotzdem nie zur vertrauenswürdigen ersten Wahl werden. Bis dieser Vertrauensverlust in Retention-Daten sichtbar wird, kann der Schaden bereits über Monate entstanden sein.

Wie es weitergeht

Es gibt bereits starke wirtschaftliche Gründe, Embedded Charging neu zu denken. Der stille Effekt auf die Marke dahinter ist jedoch mindestens genauso wichtig.

Plattformen, die Embedded Charging in den kommenden Jahren ernst nehmen, werden es weniger als reine Funktionsintegration betrachten müssen und stärker als einen zentralen Teil des Produkterlebnisses, an dem die gesamte Marke gemessen wird.

Im nächsten Cariqa Insights Beitrag schauen wir darauf, was sich verändert, wenn Plattformen direkt mit CPOs verbunden sind und wie ein direktes kommerzielles Modell Embedded Charging zu einem vertrauenswürdigeren Teil des Produkterlebnisses macht.